Kurioses

 


Woher kommt "Ei der Daus"?

"Ei der Taus", urspruenglich "Ei der Daus", als Ausruf der Überraschung kommt von einem Wort "Daus" (althochdeutsch/mittelhochdeutsch "dus"), das entweder

 

  1. auf frz. "deux" = zwei, urspruenglich eine niedrige Zahl im Wuerfelspiel, seit dem 16. Jhdt die hoechste Zahl im Wuerfelspiel bzw. Kartenspiel ("As"), zurückgeht
    oder
  2. auf mittellateinisch "dusius" = Daemon, Teufel, was die wahrscheinlichere Variante darstellt.

Es gibt auch die Umdeutung "Ei der Tausend", was die Schreibung mit hartem T (hochdeutsche Lautverschiebung D zu T) nahelegt.

Quellen:
Hermann Paul: Deutsches Woerterbuch. 9. Aufl. Tuebingen: Niemeyer 1992
Friedrich Kluge: Etymologisches Woerterbuch. 22. Aufl. Berlin: de Gruyter 1989.


Wieso sagt man eigentlich "G.I."?
Die amerikanisch-engl. Abkürzung „G.I.“ bedeutet  Soldaten oder Veteranen der U.S. Armee in allen Waffengattungen. „G.I.“ wird heute als Abkürzung von „Government Issue“ verstanden, d.h. allgemein etwas, was von der Regierung zur Verfügung gestellt oder ausgegeben wird.
Ursprünglich jedoch eine Abkürzung für „Galvanized Iron“, „galvanisiertes Eisen“ (‘galvanisieren’ ist ein nach Luigi Galvani, einem Pionier der Elektrizitätsforschung aus dem 18. Jhdt., benanntes elektro-chemisches Verfahren zur Herstellung von Metallüberzügen), d.h. mit einem rostresistenten Zink-Überzug versehenes Eisen, z.B. bei Abfalleimern.

Quellen:
The American Heritage Dictionary of the English Language. 3. Ed. Boston: Houghton Mifflin 1996.
Webster‘s New Encyclopedic Dictionary. New York: Balck Dog & Leventhal 1993.


Warum sagen wir: “Graffl”?

Das Wort „Graffl“ wird in Martin Reiter: Sprechen Sie Tirolerisch? (Wien: Tosa 1995: 107) wie folgt notiert und erklärt:

"g’raffl": unbrauchbarer Plunder, Gerümpel, unnützes Zeug.

Eine etymologische Erklärung bietet J.A. Schmeller: Bayrisches Wörterbuch (München: Oldenbourg 1877, Neudruck 1985: 63), wo "Graffl auf "raffen" zurückgeführt wird. Von "raffen" ist die Intensiv-Form "raffeln" (und "Raffel" - 'Gerät zum Abstreifen von Beeren' und "Raspel") herzuleiten.

Das "Geräffel" (dialektal: "Graffl") ist dann "das (hastig bzw. wahllos) Zusammengeraffte", eben wertloses, unnützes Zeug, mit einem Wort: Graffl.


Woher kommt eigentlich das Wort “Piefke”?

Die Herkunft des Wortes „Piefke“ ist nicht sicher deutbar.
Es wird in Österreich als abwertende Bezeichnung im Sinne von „eingebildeter Angeber“ für „Preuße“, „Norddeutscher“ gebraucht.
Vielleicht ist es aber mit dem Familiennamen „Piefke“ identisch, der besonders in Berlin häufig ist und im 19. und 20. Jhdt in Volksstücken eine Rolle spielt und dadurch populär wurde.

Quelle: DUDEN. Das Herkunftswörterbuch. Mannheim: DUDEN-Verlag 1989. S. 530.


Warum sagen wir “Tamtam”?

"Tamtam“ in der Bedeutung "marktschreierischer Lärm, aufdringliche Reklame“ kommt über französisch "tamtam“ im 19. Jhdt. ins Deutsche.
Das französische Wort wiederum ist aus Hindi entlehnt, wo das Wort "tamtam" Rhythmusinstrumente (Trommel, Gong, Metallbecken) lautmalerisch benennt.
Sowohl die ursprüngliche Bedeutung als auch die übertragene finden sich bereits im französischen Lehnwort.

Quellen:
DUDEN. Das Herkunftswörterbuch. Mannheim: DUDEN-Verlag 1989.
F. Kluge/W. Mitzka: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin: de Gruyter 1963.


Wer ist hier denn eine “Tussi”?

“Tussi“ kommt von „Thusnelda“.
Bedeutung: jugendsprachlich und abschätzig für a) die feste Freundin eines Jungen oder jungen Mannes im Sinne eines Anhängsels, b) ein aufgetakeltes, unsympathisches Mädchen, c) ein Mädchen oder eine junge Frau, welche sich nur nach der Mode richtet, um den Männern zu gefallen, und die (meist) auch für jeden gutaussehenden Mann zu haben ist.

Herkunft: Kurz- und Koseform von Thusnelda, seit ca. 1975 gebräuchlich.

Nichts zu tun hat der Ausdruck Tussi mit der historischen „Thusnelda“. Thusnelda war die Tochter des Cheruskerfürsten Segestes. Obwohl man sie schon verlobt hatte, wurde sie von dem Fürsten Arminius entführt und geheiratet. Im Jahre 15 gab es einen Kampf zwischen Arminius und Segestes, der sich mit den Römern verbündete, und so wurde Thusnelda von Segestes entführt und den Römern ausgeliefert. Sie wurde, zusammen mit ihrem Sohn, im Triumphzug durch Rom geführt. In Rom wurde sie die Geliebte des Germanicus, später auch seiner Generäle sowie verschiedener Vertreter der gehobenen Gesellschaftsschicht. Durch ihren Willen und ihre Stärke, die sie bei ihrer Entführung und beim Triumphzug bewies, gilt sie als Heldin.
Der heutige Ausdruck „Tussi“ hat also praktisch nichts gemeinsam mit dem historischen Vorbild Thusnelda.

Quellen:
DUDEN Universalwörterbuch. Mannheim: DUDEN-Verlag 1996.

http://www.nksa.ch/projekte/abecedarium/t.htm


Gibt es die weiblichen Vornamen “Shantey” und “Chantae”?

Die Anfrage des Standesamts Kufstein bezog sich zunächst auf den Vornamen „Shantey“.

Dazu ergaben Recherchen im Internet, einschlägigen Lexika und die Befragung eines Native Speakers (Gastprofessor Barre Toelken, Amerikanistik) jedoch, daß „shantey“ im Englischen primär mit der Bedeutung „Seemannslied“ assoziiert wird.

Der Name scheint zwar als weiblicher Vorname auf, wird jedoch auch für Hunde und Pferde als Name verwendet.
Der Mutter wurde daher abgeraten, diesen Namen („Shantey“) für ihre Tochter zu verwenden, als Ausweichlösung ergab sich der ähnlich klingende weibliche Vorname „Chantae“ (von frz. Chantal), der im Englischen sehr gebräuchlich ist.


Ist es politisch korrekt "Eskimo" zu sagen?
Die alte Erklärung "Rohfleischesser" (aus Algonkinsprachen wie Abnaki ("askimo") oder Ojibwa ("ashkimeq"), aus zu rekonstruierendem Proto-Algonkin *ask- "roh" + *-imo "essen" ist zwar heute umstritten oder wird z.T. entschieden abgelehnt, andererseits kann eine alternative Etymologie aus der Algonkinsprache Montagnais (eine Variante der Algonkinsprache Cree im Osten Kanadas) "ayashkimew" ("Schnürer von Schneeschuhen") auch nicht zwingend bewiesen werden.
Eine sichere Entscheidung ist nicht möglich.
Fest steht jedoch, daß die Inuit (Eigenbezeichnung: "Menschen") die Bezeichnung "Eskimo" als beleidigend empfinden.

Dies sollte ausreichen, sie unabhängig von der Frage nach der korrekten Etymologie nicht mehr zu verwenden. Ein Problem ist allerdings, daß es verschiedene Varianten von Inuit-Sprachen gibt (Yupik, Inupiaq, Inuktitut, Kalaallisut/Grönländisch), für die als Sammelbegriff auch in der Fachliteratur immer noch "Eskimo" gebräuchlich ist, ebenso für die gesamte Familie die Bezeichnung "Eskimo-Aleutische" Sprachen, die von über 85.000 Personen von Nordost-Sibirien über die Aleuten, Alaska und Kanada bis Grönland gesprochen werden.

Quellen: 

http://www.wordiq.com/definition/Eskimo
http://www.etymonline.com/e4etym.htm
http://www.bartleby.com/61/24/E0212400.html
M. Mithun: The Languages of Native North America. Cambridge: Cambridge UP 2001.


Wie ist das mit dem "Fräulein"?
Versuchen Sie doch einfach mal den Kellner im Restaurant mit "Herrlein" zu rufen!
Nach Empfehlung der DUDEN-Redaktion soll diese Anrede auch für Kellnerinnen nicht mehr verwendet werden, vgl. unten den entsprechenden Text.
Diese Anrede wird wohl tatsächlich kaum noch akzeptiert, ältere Menschen dürften sie jedoch zumindest in Restaurants durchaus noch verwenden und für akzeptabel halten. Sie wird wohl in der näheren Zukunft im Deutschen ungebräuchlich werden.
Quelle
[DUDEN-Text: Frau und Fräulein in der Anrede: Dass es heutzutage als einigermaßen veraltet gilt, eine junge Frau als Fräulein anzusprechen, dürfte sich inzwischen bis zu den verstocktesten Gleichberechtigungsmuffeln herumgesprochen haben. Bei der Anrede für eine erwachsene Frau sollte man immer Frau wählen, und zwar unabhängig von Alter und Familienstand. Fräulein ist nur dann noch angemessen, wenn sich die angesprochene Frau diese Anrede selbst wünscht. Auch in Cafés und Restaurants sollte auf diese Titulierung lieber verzichtet werden. Statt ‘Fräulein, könnten Sie mir bitte die Rechnung bringen?’ genügt auch ein einfaches ‘Entschuldigung, könnten Sie mir bitte die Rechnung bringen?’]


Woher kommt die Redewendung "die Katze im Sack kaufen"?

Bedeutung: "etwas ungeprüft übernehmen, kaufen (und dabei übervorteilt werden).
Die Wendung, ursprünglich in der Form etwas im Sack kaufen bezeugt, bedeutet eigentlich »etwas kaufen, ohne es vorher in Augenschein genommen zu haben«.
Die Festlegung auf die Katze rührt daher, dass früher auf den Märkten oft eine wertlose Katze anstelle eines Ferkels, Kaninchens oder Hasen in den Sack getan wurde, um den unachtsamen Käufer hereinzulegen.

Quellen: Duden 7, Das Herkunftswörterbuch. Mannheim 2001 DUDEN - Service Online
Jakob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig: Hirzel 1873. Nachdruck: München: dtv 1984, S. 286.