Semantics for Mountaineering History - SEMOHI

Semantics for Mountaineering History - SEMOHI


Projektleitung: Gerald Hiebel (Arbeitsbereich Vermessung und Geoinformation), Claudia Posch, Gerhard Rampl
Projektbeteiligte: Elisabeth Gruber, Eva Zangerle (Databases and Information Systems)
Kooperationspartner: Archiv des Österreichischen Alpenvereins; Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH), Österreichische Akademie der Wissenschaften
Laufzeit: März 2017 - Februar 2019


September 1841: Josef Schwab besteigt als Erster den Großvenediger. Juli 1861: Die französischen Brüder Bisson erreichen beim dritten Versuch den Gipfel des Mont Blanc. Diese und andere Ereignisse sind typisch für die Mitte des 19. Jahrhunderts, die berühmten (Berg-)Namen lassen Herzen von Alpinist/inn/en noch heute höherschlagen. Das „goldene Zeitalter des Alpinismus“ ist in der Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (ZAV) dokumentiert, die Texte werden nun inhaltlich digital erschlossen.


Das ÖAW Vorgängerprojekt Alpenwort (2014-2017) digitalisierte die Jahrgänge 1872-1998 der ZAV, eine für den deutschsprachigen Raum einzigartige Quelle alpinistischer Texte. Ergebnis war eine nach Wortarten durchsuchbare Datenbank, das Alpenwortkorpus mit 18 Millionen Wörtern. Die inhaltliche Anreicherung (semantische Annotation) des Alpenwortkorpus ist nun das Ziel dieses Projekts. Sie erfolgt durch die Erkennung der drei Einheiten Ortsnamen (z.B. Berg-, Tal-, Weg- oder Hüttennamen), Personennamen (z.B. Persönlichkeiten aus Alpinismus/Wissenschaft) und Erstbesteigungen (z.B. des Großvenedigers durch J. Schwab).

Die Anreicherung ermöglicht für die Forschung relevante Suchergebnisse, etwa eine Liste aller Personen, die bis 1914 in Verbindung mit der Venedigergruppe genannt wurden, eine Liste aller Orte, die 1949 bis 1950 beschrieben wurden oder eine Liste aller Erstbesteigungen in den Julischen Alpen.

Oft bezeichnen allerdings gleiche Orts- oder Personennamen verschiedene Objekte oder Personen. Ein Beispiel: Ohne Zusatz ist der Name St. Johann nicht eindeutig zuordenbar. Die Gemeinden St. Johann im Pongau, St. Johann im Walde oder St. Johann in Tirol kommen in Frage. Erst der Kontext erlaubt eine eindeutige Zuordnung. Daher ist die Erstellung zweier Register bzw. Verzeichnisse für Orts- sowie Personennamen mit Fokus auf den alpinen Raum erforderlich, die Zusatzinformationen enthalten. Quellen für diese Register sind staatliche Vermessungsämter, namenkundliche, regionale Aufnahmen und über Crowdsourcing im Internet entstandene Quellen, z.B. Wikipedia oder Open Street Map. Über diese Register werden die Namen im Text erkannt und können über den mitgelieferten Kontext den richtigen Stellen im Alpenwortkorpus zugeordnet werden.


Die Orts- und Personennamenerkennung wird auch für das Lichtbilderverzeichnis des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) der Jahre 1927 bis 1941 durchgeführt, das Beschreibungen für ca. 32.000 Fotos enthält, 85 Prozent davon mit Ortsangaben. Dies ermöglicht später die Darstellung der Aufnahmeorte historischer Fotos auf digitalen Karten wie etwa Google Maps.

Die entstandenen Register und das mit Nameninformation angereicherte Alpenwortkorpus und ÖAV Lichtbilderverzeichnis werden der internationalen Forschungsgemeinschaft und der interessierten Öffentlichkeit frei zur Verfügung gestellt. Die angereicherten Texte bilden die Grundlage für weitere Forschungen zu Ortsnamen (z.B. syntaktische Umgebung, Namenvarianten, historische Schreibweisen etc.) und Alpingeschichte.